Das Zerkleinern flexibler Materialien wie Agrarfolie, PP-Raffia, Big Bags (FIBC) und Nylon-Fischernetze stellt eine besondere technische Herausforderung dar: den “Aufwickeleffekt”. Im Gegensatz zu starren Kunststoffen, die zerbrechen, neigen hochfeste Fasern dazu, sich um Standardrotoren zu wickeln, was zu Reibungsbrand, Motorstillstand und Lagerschäden führen kann. Bei der Auswahl des richtigen Faserzerkleinerers müssen daher Rotorgeometrie und Schnitttoleranz Vorrang vor reiner Motorleistung haben.
Zugehörige Ausrüstung: PE/PP-Folienschredder, Einwellenzerkleinerer für Textilabfälle.
Die Herausforderung des “Aufwickelns” bei der Faserverarbeitung
Herkömmliche Kunststoffzerkleinerer basieren auf Schlag- oder Grobscherung. Bei Textilien oder Folien versagen diese Mechanismen, da sich das Material dehnt, anstatt zu brechen.
* RotorwicklungLange Fasern verhaken sich an der Rotorwelle und sammeln sich an, bis sie eine Reibungsbremse bilden und eine thermische Überlastung auslösen.
* SchwimmendLeichte Folienreste schweben oft über der Schneidkammer und entgehen den Klingen, es sei denn, ein Zwangszuführungsmechanismus wird aktiviert.
* SchmelzenDurch die Reibung stumpfer Klingen oder geringer Spaltmaße entsteht Wärme, die das Polymer (z. B. PP/PE) zu einem festen Block schmilzt, der oft als “Kunststoffklotz” bezeichnet wird und von Hand entfernt werden muss.
Wichtige Merkmale für Faser- und Folienzerkleinerer
Für eine effiziente Verarbeitung von Folien und Fasern kommen die Anlagen typischerweise mit speziellen Anti-Verwicklungs-Technologien zum Einsatz.
1. Anti-Wickling-Rotorgeometrie (F-Rotor)
Der “Filmrotor” oder F-Rotor verwendet eine spezielle Messeranordnung – typischerweise Chevron- (V-förmige) oder eng tolerierte quadratische Messer –, die das Material zur Mitte der Schneidkammer lenkt, um eine Ansammlung an den Seitenwänden zu verhindern.
* Integrale Wellen: Lücken beseitigen, durch die Feinstaub eindringen und sich verwirbeln kann.
* KeilwellenschutzBei einigen Energycle-Modellen sind an den Wellenenden Wickelschutzvorrichtungen angebracht, um zu verhindern, dass Material in die Lager gelangt.
2. Schnittspalt ohne Toleranz
Bei der Faserverarbeitung ist der Abstand zwischen dem rotierenden Messer und dem stationären Gegenmesser entscheidend.
* Standardspalt: 1,0–2,0 mm (Gut geeignet für starre Kunststoffe).
* Faserlücke: 0,2–0,3 mm (Erforderlich für Filme).
Diese “scherenartige” Präzision gewährleistet, dass die Faser sauber abgetrennt und nicht durch die Maschine gezogen wird.
3. Hydraulik für Zwangsförderung
Ein Standard-Schwerkraftbehälter ist für Leichtfolie (Dichte < 50 kg/m³) unzureichend. Hydraulischer Schwenkarm-Schieber oder ein Horizontaler Ram ist zwingend erforderlich, um das voluminöse Material in die Rotorzähne zu pressen und so einen gleichmäßigen Stromfluss zu gewährleisten.
Vergleich der Aktenvernichtertypen: Folien- vs. Hartpapier-Aktenvernichter
| Besonderheit | Standard-Aktenvernichter | Spezialisierter Faser-/Folienzerkleinerer |
|---|---|---|
| Rotortyp | Harte Oberfläche / Aufprall | Anti-Wickling / Filmschleifer |
| Messerspalte | 1,0 mm – 2,0 mm | 0,2 mm – 0,4 mm (Präzisionsschere) |
| Zuführmechanismus | Schwerkraft- oder Standardramme | Turbohydraulisch / Schwenkarm |
| Fehlermodus | Verklemmen an großen Gegenständen | Rotorwicklung / Wellenheizung |
| Durchsatz (Film) | Niedrig (Material schwimmt) | Hoch (Aktive Zufuhr) |
Empfohlene Konfigurationen
Für Agrarfolien und Post-Consumer-Säcke (LDPE/LLDPE)
- MaschinentypEinwellen-Zerkleinerer mit Wasserkühlung.
- WarumVerschmutzter Film wirkt abrasiv. Die Wasserkühlung des Rotors verhindert das Schmelzen des Films während des reibungsintensiven Zerkleinerungsprozesses. Die einzelne Welle ermöglicht den Einsatz eines Siebs (z. B. 40 mm) zur Steuerung der Ausgabegröße für Wäschereien.
Für Jumbo-Säcke und Seile (PP/Nylon)
- MaschinentypDoppelwellen-Scherenzerkleinerer (Hohes Drehmoment).
- WarumHochfeste Materialien (wie Kevlar oder Nylonseile) benötigen ein enormes Drehmoment bei niedriger Drehzahl, um zu reißen. Hinweis: Zweiwellenmaschinen produzieren lange Streifen; für die Endzerkleinerung ist oft ein zweiter Einwellenzerkleinerer erforderlich.
Für Teppiche und Textilien
- Maschinentyp: Drehmomentstarker Einwellen-Drehmomentdreher mit Hartmetallmessern.
- WarumTeppiche besitzen oft eine abrasive Rückseite (Kalziumkarbonat). Standard-Werkzeugstahl stumpft innerhalb weniger Stunden ab. Hartmetalleinsätze verlängern die Wartungsintervalle auf über 2000 Stunden.
Auswahlliste
Bevor Sie einen Faserzerkleinerer bestellen, überprüfen Sie diese drei Parameter:
1. EntbalungsfähigkeitKann die Maschine ganze Folienballen verarbeiten oder müssen diese vorher zerkleinert werden? (Einige Hochleistungsmodelle verarbeiten ganze Ballen).
2. BildschirmzugänglichkeitDie Folienjalousien reinigen die Siebe schnell. Verfügt die Maschine über eine hydraulische Siebhalterung zur schnellen Reinigung?
3. Klingenmaterial: Mindestens D2-Stahl erforderlich; für höhere Verschleißfestigkeit SKD11.
Häufig gestellte Fragen
Warum verklemmt sich mein Aktenvernichter ständig bei Plastikfolie?
Filmstau entsteht üblicherweise durch einen Materialstau oder eine Materialverwicklung. Wenn der Hydraulikzylinder zu schnell drückt, kann der Rotor das Material nicht abführen, was zu einem Stillstand führt. Passen Sie die “Ampere-Einstellung” der SPS an, um den Zylinder früher zurückzuziehen (z. B. bei einer Last von 80% anstatt 100%).
Kann ich Teppichboden in einem Filmschredder zerkleinern?
Nur wenn die Klingen verbessert werden. Teppich ist sehr abrasiv. Die Verwendung herkömmlicher Folienklingen auf Teppich führt in kürzester Zeit zu einer Beschädigung der Schneide, was wiederum zu Überhitzung und Schmelzen führen kann.
Welche Bildschirmgröße ist ideal für Wäscheleinen?
Für die nachfolgende Wäsche ist ein Sieb mit 40–50 mm Maschenweite Standard. Kleinere Löcher (20 mm) reduzieren den Durchsatz erheblich und sind für die Reibungswäsche in der Regel nicht erforderlich.
Referenzen
[1] “Recycling von flexiblen Verpackungen”,” Verband der Kunststoffrecycler (APR). Recycling von flexiblen Verpackungen
[2] Leitfaden für die Verarbeitung hochfester Fasern, VDI 2440. Richtlinien für die Verarbeitung hochfester Fasern, VDI 2440


